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Entführungen, Vergewaltigungen, Erpressung und Mord, Straflosigkeit der Täter: Folgen der Illegalisierung zentral- und südamerikanischer MigrantInnen in Mexiko

Neue Kampagne und Fotoausstellung zu Transitmigration in Mexiko: „Unsichtbare Opfer – Migrantinnen und Migranten auf ihrem Weg durch Mexiko“

Hamburg, – Anlässlich einer neuen Kampagne zu Migration in Mexiko zeigt die CASA- und Guatemala-Koordinationsgruppe vom 30.06. bis 11.07.2010 eine Foto­ausstellung im Hamburger Gängeviertel, Valentinskamp 39 (Nähe U-Bahn Gänsemarkt). Im Begleitprogramm. mehrere Abendveranstaltungen.

Hintergrund:

Jedes Jahr begeben sich tausende von Menschen ohne Aufenthalts­papiere auf eine mit hohen Risiken behaftete Reise durch Mexiko. Sie tragen die Hoff­nung auf ein neues Leben in den USA in sich und fliehen vor der zermürbenden Armut und Unsicherheit in ihren Heimatländern.

Die meisten von Ihnen sind auf der Suche nach einem neuen Leben ohne Armut, die sie hinter sich lassen. Mehr als 9 von 10 von ihnen kommen aus Zentralamerika, die meisten aus El Salvador, Guatemala, Honduras und Nicaragua. JedeR fünfte MigrantIn ist weiblich und eineR von 12 ist Minderjährig, einige sogar unter 10. Die mexikanische Einwande­rungs­behörde nahm 2009, 64.061 AusländerInnen fest von denen 60.143 abgeschoben wurden. Nur 2.846 bekamen die Möglichkeit ihren Aufenthalt zu legalisieren und 87 wur­den als Flüchtlinge anerkannt. Jedes Jahr werden tausende misshandelt, entführt oder vergewaltigt.

Willkürliche Verhaftungen und Erpressung durch PolizistInnen sind alltäglich. Laut Anga­ben von Menschenrechtsorganisationen und WissenschaftlerInnen werden von zehn Frauen und Mädchen sechs während der Reise vergewaltigt. Im Januar 2010 wurden 3.947 Menschen aus Mexiko nach Zentralamerika abgeschoben. Darunter waren 497 weibliche und 271 minderjährige MigrantInnen (vgl. inm.gob.mx). Die meisten von ihnen wurden aus Mexikos südlichstem Bundesstaat Chiapas ausgewiesen. Verglichen mit den Vorjahren sind diese Zahlen stark zurückgegangen, was mit der Wirtschaftskrise und der damit einhergehenden Rückkehr vieler ZentralamerikanerInnen aus den USA zu tun hat. Mitte März 2010 sagte der Betreiber der MigrantInnenherberge in Ixtepec, Pater Alejandro Solalinde Guerra, gegenüber der Tageszeitung „El Universal“, dass der Strom der ZentralamerikanerInnen auf dem Weg in die USA wieder spürbar steige. Ebenso sei auch die Zahl der Entführungen und Überfälle angestiegen. Wie viele sich auf den Weg in die USA machen und ankommen, kann niemand genau sagen. Zwischen September 2008 und März 2009 interviewte die nationale Menschenrechtskommission Mexikos 238 Opfer und Zeugen von 198 Entführungen von MigrantInnen. Dabei wurden 9.758 MigrantInnen entführt, darunter mindestens 57 Minderjährige. Fast die Hälfte der MigrantInnen gab an, dass Beamte für Entführungen verantwortlich waren. Die Hälfte der Opfer gab an, dass sie Polizisten beobachteten, die im Einverständnis mit den Entführern arbeiteten.

Frauen und Kinder sind dem ernst zu nehmenden Risiko Menschenhandel und sexuellem Missbrauch durch Kriminelle, andere MigrantInnen und korrupte Beamte ausgesetzt. Zu den meisten dieser Missbräuche werden nie ernsthafte Ermittlungen angestellt, die Täter nur selten zur Verantwortung gezogen und somit ein Klima der Straflosigkeit gepflegt. Zwischen Mai 2007 und Februar 2008 wurden bei 828 in der Migranten-Herberge in Sal­tillo geführten Interviews 3.924 verschiedene Fälle von Missbrauch festgestellt. Darunter waren 1.266 Einschüchterungen (Bedrohung, Beleidigung, Schüsse in die Luft), 475 phy­sische Angriffe wie Schläge (zum Teil mit Steinen) und 42 Fälle von sexuellen Übergriffen und Vergewaltigung.

Viele MexikanerInnen, die entlang der Migrationsrouten leben, leisten den MigrantInnen humanitäre Hilfe. Ein Netzwerk von Herbergen, die von der katholischen Kirche betrieben werden, bietet den MigrantInnen zumindest für ein paar Tage die Möglichkeit, sich von den Strapazen der Reise zu erholen.

Menschenrechtsverletzungen gegen mexikanische MigrantInnen in den USA sorgen für großes Aufsehen. Auf der anderen Seite bleibt öffentliche Empörung über Gräueltaten, die an MigrantInnen in Mexiko verübt werden aus. Amnesty International fordert den mexikanischen Innenminister, Lic. Fernando Francisco Gómez-Mont Urutea, auf, eine klare Botschaft auszusprechen, dass Verbrechen an nicht dokumentierten MigrantInnen in Mexiko nicht länger toleriert werden und sie alle notwendigen Maßnahmen ergriffen werden, MigrantInnen in Klageverfahren zu unterstützen, wenn diese Opfer von Verbre­chen wurden.

Von Hauke Lorenz

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